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 Die Köstritzer Leichtathletik wird 45 Jahre!

von Horst Krinke

Am 24. Februar 2007 begehen die Leichtathleten des LAV "Elstertal" Bad Köstritz ihr 45. Jubiläum - die jetzt Aktiven und die vielen Ehemaligen. Treffpunkt ist wieder die Show-Bühne bei Möbel Rieger.
Bereits seit Monaten bereitet ein Organisationskreis unter Federführung von Veronika Rathke - tatkräftig unterstützt durch Maria Schneider, Helke Schlundt, Marion Scheffel und Dolores Perschke - dieses Jubiläumstreffen vor. Dabei gibt es viel Kleinarbeit zu bewältigen, insbesondere die Einladungen an die unterdessen deutschlandweit verstreuten "Ehemaligen" bereiten einige Mühe, die aber gern in Kauf genommen wird, denn die alle fünf Jahre stattfindenden Wiedersehensfeste motivieren und geben uns Schwung.

Zur Erinnerung: Im September 1961 gründete Horst Krinke, neuer Lehrer an der damaligen POS (Direktor war damals Erich Engelhardt) eine AG "Leichtathletik", das war die eigentliche Geburtstunde des heutigen LAV Elstertal. Die Leichtathleten "der ersten Stunde" waren u.a. Gabriele Jacob, Heidi Federbusch, Bärbel Scholz, Sieglinde Pätzold (Mädchennamen) sowie Jürgen Trinks, Fussballer Willi Gliewe, Dieter Rohland ... und bald auch Veronika Voigt (heute - siehe oben!).
Im März 1962 schrieben sich zur Freude des DTSB-Kreisvorstandes Gera-Land, aber unter verständlichem Stirnrunzeln der BSG-Leitung, die Leichtathleten als Sektion in der BSG "Chemie" Bad Köstritz ein. Unser Markenzeichen, das CBK auf der Brust (selbstgefertigt!), wurde fortan im Bezirk Gera stark beachtet. Dahinter standen schließlich stetig anwachsende Leistungen und Erfolge - Kreisrekorde "en masse"! Dieser Trend wurde ab September 1963 nachhaltig verstärkt durch Diplomsportlehrer Siegmar Sölle (der spätere Bezirkstrainer), beruflich als Kreissportlehrer beim DTSB tätig, der zweimal wöchentlich das unterdessen umfangreiche Training unterstützte, und gerne denkt Siegmar an diese fünf bis sechs Jahre des stürmischen Aufschwungs zurück.
Unter welchen Bedingungen kam aber dieser Aufschwung zustande? Kein Stadion, keine Sporthalle nur sehr provisorische, einfachste Anlagen für den Schulsport auf dem "Drehling" standen zur Verfügung. Die ersten Athleten trainierten zunächst auch im Winter ohne Halle und ab 1962/63 hatten wir etwas Hallenzeit in der engen Turnhalle der Bergschule. Die im Vergleich zu heute armseligen Trainingsbedingungen suchten wir durch "NAW-Stunden" auf dem Drehling zu verbessern. Wir buddelten, schütteten auf, schliffen die Bahn ab, walzten, strichen Geräte und fertigten sogar selbst welche an und so entstanden auch unsere ersten Hürden im UTP-Unterricht im Chemiewerk - in Handarbeit!
Es gab kaum Sportkleidung, kaum Schuhe und noch weniger die begehrten Spikes. Neidische Mienen gab es gegenüber denen, die "per Westverwandtschaft" solche aufbieten konnten, aber ganz kameradschaftlich wurden derartige Engpässe überwunden. Man tauschte sie einfach untereinander aus und gab sie auch weiter, wenn man aus ihnen herausgewachsen war. Die Trainingsanzüge wurden abgetragen bis sie weder in Form noch in Farbe als solche zu erkennen waren. Bald wurden "Botas"-Sportschuhe aus der CSSR ein Renner, immerhin ein Fortschritt! Diese sind jetzt "selbstverständlich" vom Markt, es zöge sie wahrscheinlich auch keiner mehr an.
Fahrten zu den Wettkämpfen machten wir viele, trotz eines ersten Etats von gerade 'mal 250 Mark (der DDR). Weit fahren musste man in den 60er Jahren nicht, überall gab es Leichtathletikwettkämpfe, auch wenn die Anlagen ebenso bescheiden waren wie die unseren: in Gera-Langenberg, Roschütz, Zwötzen, Crossen, Silbitz, Wünschendorf, Großenstein, Pölzig, Weida, Münchenbernsdorf, Ronneburg ... und viele Abendwettkämpfe gab es im Geraer Stadion. Wir waren unterwegs per Fahrrad oder mit der Reichsbahn auf Sammelfahrschein. Und wenn keine Fußballer fuhren, waren wir auch 'mal mit dem Personen-Lastauto der Brauerei mit Herrn Gauch unterwegs.
Wettkämpfe wurden als Ergänzung zum Training gesehen, man musste niemanden lange bitten. Mit den Mannschaftswettkämpfen um den "Pionierpokal" brachten sich die meisten in Form. Das waren einfache Wettkämpfe mit Sprints, Weit- und Hochsprung, Kugelstoßen bzw. Schlagballwurf für die Teilnehmer unter 14 Jahren. Trainer Werner Scheffler aus Gera bemerkte öffentlich und laut, wie die "blutigen Anfänger" aus Köstritz sich "breit machten" und allmählich in den Sechzigern Kreis-, Bezirks- und teilweise DDR- Spitzenformat erlangten. Genannt seien von den Jahrgängen 1949 bis 1953 u. a. Ernst Gese, Eckart Bondzio, Bernd Oehlgardt, Jürgen Pandorf, Jürgen Windisch, Wolfgang Winkler, Christine Rosenberg, Uta Pandorf und die ersten Starter zu den DDR-Spartakiadefinalen Bärbel Poser, Bernd Grüner, Hilde Rehwald, Bernd Huth, Renate Kakro, Klaus Perschke, Inge Quednau, Udo Meyer und sozusagen als "zweite Welle" Ingrid Kurth, Petra Luer, Beate Reinhardt, Bärbel Pätzold, Geher Walter Pohl, Dieter Gröbner und Rainer Müller. Sie, wie auch spätere Jahrgänge, hinterließen nachdrückliche Spuren in den Bestenlisten. Viele von ihnen sind auch heute noch in Besitz von Kreis- und Vereinsrekorden, nachzulesen in unseren aufgearbeiteten Jubiläums-Bestenlisten, erarbeitet von Timo und Horst Krinke. Die anfangs zögerlich-nachdenkliche BSG-Leitung des Chemiewerkes fand ziemlich schnell die Leichtathleten recht gut für das Ansehen der Betriebssportgemeinschaft, wenn sich nur die "Renner und Schmeißer" nicht so arg mausig auf dem Drehling machen würden.
Ansonsten: "Heja, heja CBK!"- damit waren wir nicht zu überhören. Die Damaligen wissen was das bedeutete, und für die Heutigen sei gesagt ... es war die pure Begeisterung - und das ist einfach nachahmenswert!

Quelle: Der Elstertal Bote, 15. Februar 2007


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